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Guntah in der abgelegten Heimat Part III

Mit halben Schweinen im Bauch und der Gewissheit, dass ein Slibovic den Magen wärmt und die Geschmacksnerven auf Trapp hält, gehe ich mit meinem Bruder zurück. Es sind nur ein paar Minuten. Die reichen allerdings aus um Erinnerungen an Zeitungstouren, Platzwunden meines Vaters, Partynächte bei J.B. oder Straßenfußballturnieren in mir hervorzurufen. In der Straße, in der früher ich wohnte und nun mein Bruder mit seiner Famlie sind viele Gärten erneuert worden. Verschwunden sind die Holzzäune, die einmal im Jahr in fast kollektiver Arbeit mit Alt-Öl getrichen worden sind. Im Dickicht der Erinnerungen denke ich an Hochzeiten, neue oder silberne, die mit einem Umtrung gefeiert worden sind. Ich sehe neue Namensschildern an Häuser, die früher meinen Nachbarn gehört haben. Heute wohnen diese Nachbarn wieder in der Nähe meiner Eltern. In der Ewigkeit zur Nachbarschaft verbunden. Ein mutiger Spaß des Schicksals.

Zuhause frönt  mein Bruder seinen Mittagsschlaf. Ich spiele mit dem Jungen. Nur kurz. Ein Nintendo ist doch interessanter.

Ich schaue Fernsehen. Drussel ein wenig weg. Katzen stören meine Reise ins Schlafland. Ich setze mich auf die Terrasse. Ein wenig Luft bei keinem Lärm tut ungemein gut. Ruhe ist das einzige Pfund mit dem die Provinz wuchern kann. Während der kleine rumdaddelt und mich ein wenig an meine Zeit mit dem C64 erinnert, surfe  ich ein wenig herum. Da das Netzwerkkabel nicht reicht, muss ich mir wohl ein Neues besorgen. Ich frage meinen Bruder, der seinen Mittagsschlaf beendet hat, doch er hat auch keines mehr. Seinen Rechner will ich nicht benutzen. Der steht im Keller und das ist mir zu dröge. Der Kleine hat Bock auf den Spielplatz. Wir holen sein Kettcar raus und für uns ein paar Fahrräder. Auf geht es zum Spielplatz, der früher einmal eine BMX Bahn war, bis diese Platz machen musste für ein Asylantenheim. Der kleine Rest der Bahn wurde in einen Kinderspielplatz umgewandelt. Ich lasse die beiden zurück und fahre mit dem Rad rum.

Ich denke, dass es Zeit ist mal wieder am Grab meiner Eltern vorbeizuschauen. Ich habe keine Ahnung wann ich das letzte Mal da war. Eines der wenigen Dinge an die ich mich erinnere ist die Textzeile “Emotional Landscape” (Björk) als ich den Friedhof betrete. Sie haben viel geändert hier. Viele  alte Bäume sind gefallen. Die freien Plätze sind begrünt worden. Es sieht fast angenehm aus. Der Weg zum Grab meiner Eltern ist wie ein alter Bekannter, den man zwar lange nicht mehr gesehen hat aber man weiß bescheid, wo die Richtigung lang geht. Zwei mal geradeaus, zwei mal links.

Guntah Grabstein Eisenach[/caption]

Es ist immer wiede rein Moment, in dem der Begriff Sprachlosigkeit seine volle Wirkung entfaltet. Ratlos mit viel Wut. Immer, wenn ich hier stehe, sehe ich diesen Stein als Endstationschild für meinen Lebensabschnitt in Lingen. Ich habe zwar noch einige Zeit dort gelebt. Aber das Leben in Lingen war mit der Erichtung des Steines begraben. Aus und vorbei. Ein unabänderlicher Fakt, der schon solche Mächtigkeit braucht, um es sich klarzumachen. Gerade der Moment der Beerdigung meine Mutter war ein schweres Brett. Das Bild, welches sich abspielte, war erniedrigen. Mein Vater starb am 2. Oktober und meine Mutter am 12.Oktober. Während also mein Mutter im Sterben lag, wurde mein Vater beerdigt. Während meine Mutter beerdigt wurde, war das Grab von meinem Vater noch in voller “Blüte”. Ich glaube ich werde meinen Lebentag niemals die Szene vergessen, als wir mit dem Sarg meiner Mutter um die Ecke bogen und ich das erste was ich sah, waren die Kränze und Blumen auf dem Grab meines Vater. Genau neben ihm war der Platz bereitet für die sterblichen Überreste meiner Mutter, die wir Schritt für Schritt dahinfuhren. Es herrschte ein Stille, die ich nie wieder im meinem Leben so erfunden habe, als der Sarg abgesenkt wurde. Emotionen können schwer sein. Sehr schwer.

Ich verließ den Friedhof bald. Nicht ohne am Grab meiner Oma noch ein kleines Gebet dazulassen.

Warum die Welt totaler Mist ist – Die Woche vom KW 13 2008

Eigentlich fing ja alles gut an: Ostern – letzter Tag. Wer weiß wie lange es ihn noch geben wird, den Ostermontag. Noch mal schön das Festtagsmenü vom Sonntag aufwärmen und rein damit. Zusätzlich noch Kuchen und Kaffee bis zum Abwinken und dann oben drauf ein Ei oder zwei! Fazit: Der Montag war okay.

Am Dienstag als dann alles wieder aus der Festtagsmüdigkeit erwachte ging es los. Es sickerte die Meldung durch, dass der Erfinder des Mambos gestorben ist. Der Künstler “Israel Lopez” ist in die Musikabteilung des Himmels eingezogen. Wirklich kennen, werden ihn wahrscheinlich nur ausgewiesene Tanzfreunde.

Ein Grund warum diese Welt bekloppt ist:

Auf der Autobahn 29 bei Oldenburg ist am Abend des Ostersonntags eine 33-jährige Frau aus dem Warendorf ums Leben gekommen. Das Auto der Mutter von zwei kleinen Kindern wurde gegen 20 Uhr in Höhe der Autobahnbrücke an der Butjadinger Straße zwischen dem dem Kreuz Oldenburg-Nord und Ohmstede von einem rund sechs Kilogramm schweren Holzklotz getroffen, den ein Unbekannter von der Brücke heruntergeworfen hatten.
Quelle: NWZ-Online / Polizei Oldenburg

Jetzt sucht die Polizei nach dem Menschen, der wohl wegen versuchten Mordes oder besten falls für Totschlag zur Rechenschaft gezogen wird. Im Laufe der Woche fand diese Tat krankerweiser Nachahmer. Nun diskutiert man, ob Kameras an Brücken angebracht werden sollen.

Doch schon in diesem Artikel weiß Sebastian Edathy (SPD)

„Wer zur Tat entschlossen ist, wird sie auch trotz Kameras durchführen.“ Quelle: Die Welt Online.

Gut, dass wir wenigstens mal drüber geredet haben.

Am gleichen Tag erfuhr ich aus der Zeitung (Online Ausgabe NOZ), dass die Zahl der Schulschwänzer steigt. Ich hoffe mal, dass es keinen Zusammenhang mit den Holzklotzwürfen gibt.

Einen weiteren Grund, warum diese Welt aus den Angel gerät, fand ich im Osten Deutschlands:

Student tötet Halbschwester, Ex-Freundin und sich selbst. Quelle: Lausitzer-Rundschau

Am gleichen Tag kam noch heraus, dass es eine Friedhofsverwüstung gegeben hatte. 150 Grabmale. Früher sind wir höchstens mal zum Gruseln auf den Friedhof gezogen. Maximum.

Next Reason: Ebenfalls in den “Fünf neuen Bundesländer” haben der eine oder andere Vollhorst einen Anschlag auf den ehemaligen Sozialminister Hans Geisler verübt.

Im Artikel aus der Sächsischen Zeitung (Online) heißt es dazu:

Am Haus des früheren sächsischen Sozialministers Hans Geisler sind am Sonnabendmittag mehrere Flaschen mit einer unbekannten Flüssigkeit entdeckt worden. „Untersuchungen des Landeskriminalamtes haben ergeben, dass es keine gefährlichen Stoffe waren“, erklärte gestern Polizeisprecher Wolfram Hempel. Vom Geruch her könne man auf menschlichen oder tierischen Urin schließen, mutmaßt Radebergs Polizeichef Ulrich Knöpfle. Festlegen lassen möchte er sich aber nicht.

Über die Herkunft zweier Schriftstücke mit Nazi-Parolen aus dem Briefkasten Geislers gebe es noch keine Erkenntnisse. Dabei handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Flyer über Judendeportationen im Dritten Reich und ein mit „Heil Hitler“ unterschriebenes Schriftstück. Ob der 68-jährige CDU-Politiker darin auch persönlich bedroht wird, dazu machte die Polizei bislang keine Angaben. Quelle SZ-Online 25. März 2008

Wenn das ganze nicht so armselig wäre, wäre ich gerne dabei gewesen, wie die Beamten des Landeskriminalamtes an den Flaschen gerochen habe, um festzustellen, dass es um Urin handelt.

Aber dann kamen die ganz großen Dinge. Und nur ein Wort kann beschreiben, was da passiert: “Scheitern”. Das schöne Verb wurde fast inflationär gebraucht. Das scheitert der Transrapid, weil endlich mal einer mit spitzem Bleistift nachgerechnet hat, was das Ding überhaupt kosten würde. Und wenig überraschend: Es wird doppelt so teuer. Jetzt wollen sie das ganze technische Wunderwerk an die Chinesen verticken. Die lehnen aber nicht nur aus dem Grund ab, weil sie es viel billiger kopieren können (Nur ne Mutmaßung!). Das einzig positive finde ich ja, dass man es wirklich mal abgesagt hat. Nicht wie das Kanzleramt in Berlin (Von geplanten 250 Millionen auf 400 Millionen!), irgendwelche Autobahnen in Deutschland oder der Neubau des Hauptbahnhofs in Berlin (“… Der anno 1997 mit 700 Millionen Euro geplante Abschnitt kostete laut Bahnangaben 1,2 Milliarden Euro…” Wikipedia)

Nun ja. Bayern will jetzte trotzdem den Anteil des Bundes haben. Schaun mer mal.

Außerdem scheiterten noch die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst und der Verkauf der Airbus-Werke. Mein persönliches Scheitern waren die Lottozahlen vom Mittwoch.

Mann oh Mann.