Category Archives: Guntah und das Leben

Der konservative Politik Provinzler: Zwischen Haus abbezahlen und Meinungsmafia

Die Konservativen sind in einer tiefen Krise und zwar in einer, die dazu führt, dass der Begriff “Konservativ” nur noch mit einer verbalen Kneifzange angefasst werden kann. Es ist schon durchaus hinterfragenswert, warum gerade Menschen, die sich gerne als konservativ bezeichnen und damit zumindest nach Außen hin einen Lebenslauf verfolgen, der nicht zuletzt wie beim ehemaligen Bundespräsident Wulff im Eigenheim aus spröden Steinen in der Provinz endet. Denn gerade die Provinz ist das Biotop in dem das Konservative gedeiht und heranwächst.

In solchen Regionen dominieren Politiker einer Partei in der Regel den Kreistag, den Stadtrat und sämtliche weitere demokratische Institutionen. Die Vielzahl der Fälle weist ferner Menschen mit einem Parteibuch aus, die in kommunalen Einrichtungen das “Sagen” haben.

Hinzu kommt in solchen Regionen eine Meinungseinfalt, die durch die wirtschaftliche Dominanz eines Verlagshauses geprägt ist. Dieses Verlagshaus überzieht diese Regionen mit einem Mantelteil, der in der größeren Stadt hergestellt wird und einer regionalen Beilage, die sich darum kümmert, dass die Parteioberen neben den Schützenköniginnen und den Nachrichten der Polizei, den Todesmeldungen und den sonstigem “Vermischten” glänzen können. Vielfach werden ungefragt Pressemitteilungen der regierenden Partei abgedruckt. Ungeliebte Konkurrenz wird durchaus schon mal durch Abmahnungswellen und / oder wirtschaftliche Kriegserklärung in Sachen Anzeigenpreise in die Knie oder gar zum Verkauf gezwungen. Schön, dass diese “Meinungsbildner” auch immer hübsch die Klassen in den weiterführenden Schulen dazu einladen ihr Medium kostenfrei unter dem Titel “Zeitung in der Schule” zu konsumieren.

Nur durch die weitere Verbreitung des Internets als alternativen Kommunikationskanal kommt es soweit, dass durch lokale Blogger und Menschen, die versuchs- und hilfsweise parteiunabhängige Nachrichtenportale betreiben ein wenig mehr pluralistische Meinungsbildung herrscht. Doch nicht zuletzt solche Dinge werden vielfach mit juristischen Scharmützeln in die Knie gezwungen.

Jedoch betrachtet der politische Provinzler die Erfindung des Internets als Spielerei für die “jungen Menschen”. Irrelevant für ihn, ob alle soziodemografischen Daten dagegen sprechen oder sogar das eigene Nutzerverhalten. Hier wird vielfach gesagt, dass man ja auf der Höhe der Zeit bleiben muss. Ein pawlowscher Hund, der da im Hintergrund sehr laut bellt.

Schon dort liegt einer der großen Fehler der Konservativen begraben. Oder vielmehr der vermeidlich Konservativen. Etwas als für die “jungen Menschen” zu bezeichnen, trägt eine verbale Abwertung mit sich. Es hat den Hauch von “jugendlichem Leichtsinn” oder gar “Jugendsünde”. So ist dann auch schnell der allgemeine Konsens, dass das Internet nichts für einen Konservativen ist. Es sei denn es dient – gerade im politischen ein sehr wichtiger Aspekt – dem Machterhalt und der Ausübung von Kontrolle. Auch das Anbiedern an das Wahlvolk ist keine ungewohnte Tätigkeit für jemanden, der daran gefesselt ist, sein Haus und seinen Hof bezahlen zu müssen und zwar durch die Arbeit als Politik Profi oder ambitionierter Laie in den verschiedenen Institutionen wie Stadtrat etc. Die Einkommensquelle Sitzungsgeld wird so auch erschlossen.

Der Konservative von heute wird leider viel zu oft in die Öffentlichkeit gezerrt, die ihm gar nicht so lieb ist: Die kritische Öffentlichkeit. Zwar ist die Provinz immer noch ein schöner Deckungsraum aber auch der schwindet. Wer hätte gedacht, dass es vor Jahren gar nicht mal zu rechtes mit den Doktortiteln zu geht. Und dass es gerade Konservative oder gar vermeindliche Liberale sind, die Reihenweise ihre akademischen Grade verlieren, als ob das Mode wäre. Schauen wir nach Duisburg, einem runtergerocktem ehemaligen Kern der deutschen Industrie. Dort wurde der Bürgermeister – ein Konservativer – aus dem Amt gevölkerballt, weil die Menschen es leid waren, dass da jemand nicht die Verantwortung übernimmt. Gerade Verantwortung für das eigene Handel ist doch seit je her eine der Tugenden der Konservativen. Heute größtenteils in Vergessenheit geraten.

Guntah im Schilderwald

Schilder sind die tagtäglichen Begleiter des Menschen auf dem Weg zu Arbeit, nach Hause, zur Lieblingskneipe oder im Zoo. Einfach überall sind sie: Die Schilder. Neben der lebenslangen gewonnenen Weltmeisterschaft im Erfinden von Gesetzen sind wir Deutschen wahrscheinlich auch Weltspitze auf dem Gebiet “Schilder”. Vorhang auf für ein paar nette Bespiele!

Das "Kackender Hund" Schild

Das “Kackender Hund” Schild

Vogelstimmen mit Knopfdruck

Vogelstimmen mit Knopfdruck

Norbert Röttgen – oder wie ruiniere ich meine politische Karriere

Die NRW Wahl wird wohl für ihn verloren gehen. Norbert Röttgen wird nicht in die Fußstapfen von Herrn Rüttgers treten. Es ist schon sehr spannend zu sehen, wie er sich die Nummer schön selbst versaut. Erst möchte er mit einem sicheren “Vielleicht” nach der Wahl in den Landtag von Düsseldoof einziehen und dann versucht er auch noch die Wahl zu einer Abstimmung über die Europa Politik von Frau Merkel machen. Na! Da hat wohl einer keinen Bock mehr. Viel besser als ich, kann dies Frank Capellan vom Deutschland Funk sagen. Schön die Stelle wo er sagt, dass der Herr Röttgen über die Markplätze stolpert! Sauber!

Hier zum Nachhören als Podcast!

Mehr Staat für Autofahrer – Ihre FDP?

War die F.D.P. nicht mal eine Partei, die immer irgendwie forderte weniger Staat und so? Da verblüfft es mich doch heute, dass sie eine staatliche Stelle für die Überwachung der Benzinpreise mit freudigem Gesicht einführen wollen. PM FDP

Komisch. Und ich dachte immer, dass der Markt alles regelt. (Zumindest im den Köpfen von FDPlern.)

Guntah am Zug

Das Reisen

In einem Zug ist es immer so, wie auf einer Fahrt durch die eigenen Geschichte. Jeder, der einmal Zug gefahren ist, verbindet mit dem Reisen auf jeden Fall gleich mehrere  Geschichten. Die gute alte Eisenbahn taugt bei aller Verspätung doch immer für Erzählungen, die in ihrer Gesamtsumme locker, flockig die Summe aller bis dato erlebten Verspätungen bei weitem übertrifft.

 

In grauer Vorzeit als  das Rauchen noch in eigens dafür vorgesehenen Waggons oder neudeutsch: Abteilen stattgefunden hat, habe ich einmal eine oder gleich mehrere Geschichten erlebt, die es wert sind, für die virtuelle Ewigkeit festgehalten zu werden.

Der rauchende Jazzmusiker

So bin ich mal von einer Fahrt nach Berlin von der angenehmen Begleitung eines Jazzmusikers überrascht worden. Nein, keine Angst. Es war nicht so, dass da wie in städtischen U- und S-Bahnen bekannt, jemand der in der einen Station einstiegt und sagen wir mal Take Five anfängt zu spielen, um dann beim nächsten Stop wieder auszusteigen. Es war vielmehr so, dass ich in der wunderschönen Stadt Hannover umsteigen musste und einen Zug bestiegt, in dem eben dieser Jazzmusiker saß. Seinen Namen habe ich vergessen. Sein sympathisches Auftreten nicht. Philosophisch gefragt: Ist es nicht wichtiger was ein Mensch macht, als wie er heißt…
Nun denn. Wir saßen so fröhlich beisammen und er schlug mir vor, dass ich doch eine Zigarette von ihm haben könnte. Zu der Zeit habe ich oftmals selbstgedrehte Luis geraucht, wie meine Mutter zu sagen pflegte. Ich musste das leider verneinen, da ich keine ehrliche Lust auf Rothändle ohne Filter hatte. Es war auch noch früh am Morgen und ich bin mir nicht sicher, ob ich mir nicht vielleicht in die Hose gemacht hätte, nachdem ich eine solche Kippe geraucht hätte.  Der in die Jahre gekommene Jazzmusiker erzählte mir mit einer phantastischen Raucherstimme, dass er Trompeter sei. Ich fand das damals sehr spannend, da das Rauchen ja bekanntlich ein wenig den Atmen nimmt aber auch der anderen Seiten ohrenscheinlich eine sympathische Stimme erzeugt.

Cheech und Chongs Wochenration.

Bei einer weiteren Fahrt musste ich als Landei über die bezaubernde Metropole des Grauens Rheine fahren. Rheine, dass ist ein bunter Versuch Großstadt zu spielen ohne dass dabei auf suburbane Kulturphänomene geachtet wird. Hamburg hat dieses Spiel perfektioniert und dazu noch einen Hafen gebaut.

So saß ich dann in Rheine fest und sang das Rheine Bahnhofslied. Es geht so: Alleine in Rheine. Alleine in Rheine. Ein simples Liedchen wie man merkt. Ich saß also bis kurz vor 1 Uhr nachts auf dem kalten Bahnsteig und wollte den 1.30 Uhr Nachtexpress – kurz D-Zug von Amsterdam nach Berlin nehmen. In der Stadt Berlin wollte ich mich imatrikulieren und gleichzeitig ein Zimmer im Studentenwohnungheim Krumme Lanke oder so beziehen. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich nicht, dass eine Imatrikulationsbescheinigung nicht sofort ausgestellt wird und das ein Zimmer in einem Studentenwohnheim – egal wo in Deutschland – nicht mal einfach so zu haben ist, wie eine Schachtel BonBons in einem Kiosk.

Um 1.30 Uhr kam pünktlich der Zug. Ich stieg ein und fand ein super old school, old fashion, derbe retromäßig gestaltetes Abteil nur für mich alleine. Ich mochte irgendwie die abgesessene Farbe der Sitze. Diese Weinrot, welches in der Tat für Tränen in den Augen sorgt. Und natürlich der Rauchgeruch von hunderten von Dienstkilometern. Doch ich war jung. Hatte kein Geld und packte mich zum Schlafen auf die Bank.

Nach einem kurzen Rattern wurde ich in der Stadt (?) Minden wach. Ich schaute verschlafen auf das nächtliche Spektakel, welches auf dem Bahnhof von Minden stattfand und entdeckte: Nichts. Irgendwann habe ich mal gehört, dass der Rapper Curse aus Minden kommt. Es kann also durchaus sein, dass er und ich schon mal den gleichen Blick auf das malerische und romantische Nichts des Bahnhofs Minden hatten.  Von soviel Aktion überwältigt schlief ich wieder ein.

In Hannover – auch eine wunderschöne super dupi Stadt  – wurde ich plötzlich von dem brutalen Aufreisen der Abteiltür geweckt. Ein eloquent und charmant wirkender Drogenabhängiger nötigte mich “Doch einmal aufzustehen!”. Da ich ein wohl erzogenes Landei war (bin?), leistete ich dieser netten Aufforderung um 4.15 oder so folge. Das wiederrum hatte zur Folge, das der Heroin Horst sich unter den Sitz bückte und eine Plastiktüte (Model AlDi) hervorzog. Sofort fragte ich mich natürlich: Was ist das drin? Warum habe ich das nicht gesehen. Wie ein Drogenspürhund merkte ich sofort, dass da nicht Grünkohl oder so drinne war, sondern hübsches nettes Weed. Gut, dass da nicht nur eine Plastiktüte war, sondern noch eine zweite auf der anderen Seite des Abteils. Ich freute mich, dass der freundliche Mann mit dem Drogenproblem mir Sorgen wie: Wie verkaufe ich zwei Plasiktüten voller Gras oder Macht es einen guten Eindruck, wenn man zur Immatrikulation zwei Tüten Gras mitbringt, abnahm, indem er die Tütten mitnahm. Danke nochmal, wilder Fremder!